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Amt Maulbronn an Herzog von Württemberg 1632

Der Maulbronner1 Vogt Johann Eberhardt Herbst2 und der Maulbronner Klosterverwaltungsverweser Christoph Muntz3 befürworten gegenüber dem württembergischen Herzog   unter Bestätigung der sehr schwierigen Situation das Gesuch der Gemeinde Knittlingen4 auf finanzielle Hilfen (Brandsteuer) und von Getreidespenden für den Wiederaufbau des zerstörten Ortes und für die Verbesserung der Ernährungslage der verarmten Einwohnerschaft.

[Maulbonn], 3./13. September 1632 (Ausfertigung)


1 Stadt Maulbronn PF.

2 Herbst, Johann Eberhard, gest. 1635, (Unter-)Vogt zu Maulbronn 1609–1635 (Pfeilsticker, Walther: Neues Württembergisches Dienerbuch. Band 2, Stuttgart 1963, § 2605).

3 Munz, Christoph, 1625–1630 (1634?) Klosterverwalter zu Maulbronn (Pfeilsticker, Walther: Neues Württembergisches Dienerbuch. Band 2, Stuttgart 1963, § 3454; Band 3, S. 433).

4 Stadt Knittlingen PF.

Gnädiger Fürst unndt Herr. Euer Fürstliche Gnaden haben auß unserem
vor 8 Tagen überschickhten unnderthenigen Bericht, denn
laidigen Unnderganng unnd gänntzliche Ruin des Maul-
bronnischen Hauptfleckhens Knittlingen, mit mehrerem
gnädig vernommen; auch inn eingenommenem Augen-
schein selbsten gesehen, was es sowohl mit der Kürchen-,
Schuel- unnd Rhathauß, auch des Closters aigenthumb-
lichem Pfleeghoff5, als der Burgerschafft aigenen,
zuem Thails stattlichen Behaußung, Scheüren undt
Stallungen für ein ellende Beschaffenheit, das
nemblich an allen solchen Gebäwen das Holtzwerckh,
auch was ann Mobilien darinnen gewesen, durchs
Feür verzehrt. Die Gemeür, so gleichwohl zuem Thails
noch stehen, vonn der großen Hitz allso verbrennt,
das es ganntz mürb unnd nit mehr darauff zu bawen.
Dannenhero die Plätz rain abgesäubert unnd alles
vonn Holtz unnd Stainwerckh de novo6 und vonn
Grund auf erbawt werden muos. Dieweil dann
denn armen Supplicanten7 unmüglich, wa ferr
inen nit vonn Euer Fürstliche Gnaden unnd deroselben Unnderthanen
des ganntzen Hertzogthumbs, auch annderen Herrschafften
unnd Stätten, ein mitleidenliche, zuemahl erkleckhliche
Branndt- unndt Bawsteür8 ann Gelltt, deßgleichen
zue irer Unnderhalltung uß jedem Ambt ann Frucht
etwas geraicht würdt, widerumb ufzuebawen
oder diesen Winter bis uf künfftige Ernd sich uß-
zuebringen, inn Betachtung viel Menschen weiter
unndt mehr nit dann ir Leben, thails aber am Leib
sehr übel beschädiget, aus dieser schröckhlichen Brunst9
unndt Feindtsnoht darvon gebracht unnd anietzt


5 Wirtschaftshof eines Klosters, hier der Maulbronner Klosterpflege Knittlingen.

6 Lat. = aufs Neue.

7 Bittstellern.

8 Wörtlich: Bausteuer; sinngemäß: aus Steuergeldern finanzierte Wiederaufbauhilfe.

9 Feuersbrunst.

so arm seyen, das sie alberait denn Bettelstaab
an Hanndt nemmen mießen. Unnd nun aber der
Fleckh Knittlingen unnd desselben ruinierte Burger-
schafft inn diesem nunmehr zwölffjärigen beschwer-
lichen laidigen Kriegswesen mit Durchzügen, beständigen
Einquartierungen, Außpressen unnd Aussaugen,
sowohl vonn Freünden als dem Feindt, überauß
viel unnd mehr Schaden (doch alles mit höchster Gedult)
gelitten als gewißlich kein Statt oder Fleckhen
im ganntzen Lanndt. Wie dann bewusst, das manch-
mahlen ganntze Regimenter inn bemeltem10 Fleckhen
ein Zeitlanng ufgehallten unnd vonn dannen in andere
Orth außerhalb Hertzogthumbs oder gar zuruckh-
gewiesen worden, welche sonnsten durchgezogen
unnd ein großen Schaden verursacht hetten, das also
derselbe diß Orts gleichsamb des Lanndts Vormaur11 gewesen.
Unnd wie der letste laidige Außganng mit sich
bringt, für dasselbige allein leiden miessen. Dannen-
hero bei diesen noch unufhörlichen Kriegsleüffen12
desto mehr vonnöthen sein will, solchen wider uff
fürderlichst es sein kann zu erbawen. Alls wollen
wir keineswegs zweifeln, es werde ein jeder
Unnderthan des Hertzogthumbs solches desto mehr behertzigen
unnd diesen armen Leüthen sowohl mit Gelltt
als Früchten (wie dann die Underthanen des Maul-
bronner Ambtz alberait über die 200 Scheffel inen
zur Unnderhalltung uß freyem Willen herzuegeben
unnd etliche benachbarte Stätt unndt Fleckhen
ebenmeßig das mitleidenlichen Erbietens) nach Be-
schaffenheit ires Vermögens zu Trost und Hilf kommen.


10 Sinngemäß: besagtem.

11 Sinngemäß: Schutzmauer, Bollwerk.

12 Kriegsverläufe.

 

Deßwegen dann ann Euer Fürstliche Gnaden unnser unnderthenig
Pitten, inen in irem unnderthenigen Petiren13 gnedig
zue willfahren unndt die gnädige Verordnung zu thun,
das solches fürderlich inn deroselben Hertzogthumb
ußgeschrieben, auch die gebettene Intercessiones14
ann ire Königliche Mayestät inn Schweden etcetera, auch anndere
benachparte Herrschafften, Adelspersonen unndt
Reichstätt gewehrlich15 erthailt werden mechten.
Das alles würdt der getrewe allmechtige Gott
annderwertz gnädig vergellten, unnd wir wollen
neben inen umb Euer Fürstliche Gnaden unnd deroselben ange-
hörigen Unnderthanen allerhöchstgedachte Königliche
Mayestät etcetera anndere Herrschafft unndt Reipublicen
mit unnserem innbrünstigen Gebett aller under-
thenigst schuldig unndt willigsten Diensten, solches
zue verdienen, jederzeit inngedenckh unndt beflissen
sein. Dero zue Genaden unns unnderthenig und
gehorsamblich bevehlendt. Datum den 3ten
Septembris anno etcetera 1632.

Euer Fürstliche Gnaden

unnderthenige
gehorsame

Vogt zu Maulbronn
Johann Eberhardt Herbst

Verwalthungsambtzverweser daselbsten
Christoff Muntz

 


13 Bittstellertum.

14 Fürbitte, Bürgschaft.

15 Sinngemäß: gütlichst.

Quelle Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 206 Bü 3631
Die Wiedergabe der Transkription folgt der Originalquelle buchstaben- und zeilengetreu.